Okt
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Nachtgeschichten

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Nachtgeschichten erzählen von Schlaf und Schlaflosigkeit, von Traum und Wachtraum. Am Übergang vom Tag zur Nacht verblasst das gewohnte Tages-Ich, die Grenzen der Wirklichkeit lösen sich auf, verlieren sich im Träumen. Vier Fotografinnen widmeten sich in Ihren Arbeiten dieser subtilen Bewusstseinsgrenze und laden ein, den eigenen Nachtgeschichten nachzuspüren.

KATHARINA ACHT

„Schlaflos“

„Ich fuhr an einem Mittwoch um halb drei nachts mit dem Auto durch Linz. Die Straßen waren leer, die Autobahnen verwaist, es fuhren keine Straßenbahnen oder Busse mehr und die unbelebten Pendlerparkplätze erschienen riesig. Nachdem ich überzeugt war, dass niemand außer mir mehr wach war, sah ich an den Wohnblöcken hoch und bemerkte vereinzelt beleuchtete Fenster. Fasziniert hielt ich Ausschau nach diesen Lebenszeichen anderer schlafloser Menschen und ich fragte mich, was sie um diese Zeit umtrieb. Wer lebt hinter diesen hell erleuchteten Fenstern? Was sind das für Menschen? Was bewegt sie dazu, mitten in der Nacht wach zu sein, während alle Anderen ringsum schlafen?“

Die Serie Schlaflos besteht aus 12 Bildern pro Landeshauptstadt. Die Fotos zeigen die Fassaden von Wohnhäusern mit überwiegend dunklen und einigen beleuchteten Fenstern. Durch manche sind Teile der Zimmereinrichtung sichtbar, die fragmentarische Rückschlüsse auf die Bewohner zulassen. Die Bilderrahmen, von Flohmärkten und von Wohnungsräumungen zusammengetragenen, haben verschiedene Größen und unterschiedliche Stile und lassen erahnen, wie es in den fremden Wohnzimmern ausgesehen haben mag.

JUTTA FISCHEL

„Die Schlafenden“

Der Blick ist der „kürzeste Abstand“ zwischen zwei Menschen und somit ein wichtiges Mittel nonverbaler

Kommunikation. Nun gibt es offensichtlich verschiedene Formen des „Einanderanblickens“. So stellt es beispielsweise einen großen Unterschied dar, ob zwei Menschen einander entspannt und in gegenseitigem Einverständnis ansehen, oder ob der Eine den Anderen, der sich vielleicht sogar unbeobachtet glaubt, im Geheimen betrachtet. Eine schlafende Frau fühlt sich möglicherweise unwohl und verletzlich, wenn sie heimlich beobachtet wird. Ist sie im Schlaf den Blicken Anderer doch vollkommen schutzlos und wehrlos ausgeliefert. Was bedeutet es, schlafende Frauen zu beobachten, wie nahe darf man ihnen kommen ohne sich selbst unbehaglich zu fühlen? Was würde sich ändern, wenn die beobachteten Frauen erwachen würden und den „Blickraub“ entdeckten? Der Galeriebesucher kann die Bilder betrachten und den auf den Boden projizierten Frauen beim Schlafen zusehen und selbst entscheiden, wie nah er ihnen kommen möchte.

Die Serie „Die Schlafenden“ ist Teil des größeren Projektes „Der neugierige Blick“. „Die Schlafenden“ umfasst jeweils 30 Fotografien von 10 schlafenden Frauen. Diese Bilder ergeben sowohl eine Serie von insgesamt 300 Fotos, als auch 10 Kurzvideos von jeweils etwas über 3 Minuten Länge.

NICOLA HACKL-HASLINGER

„Freiräume“

Im Wachzustand leben wir innerhalb unserer physischen und psychischen Freiräume. Der gemeinsame Nenner ist das begrenzte Leistungsvermögen des menschlichen Körpers. Auch befinden sich unsere Freiräume in einem ständigen Wandel – ein metamorphoser Zustand – denn diese können sich verschieben, ausdehnen und verkleinern – ausgelöst durch äußere oder innere Einflüsse…

Kein Freiraum ist ident. Wir können uns dieser Wirklichkeit des Lebens nicht entziehen, und so kann es geschehen, dass wir an manchen Tagen den Zustand des Träumens herbeisehnen…

Denn hier – in der Realität des Traumes, dieser anderen Wirklichkeit – werden die Grenzen der physischen und psychischen Freiräume aufgehoben, Gesetzmäßigkeiten verlieren ihre Gültigkeit…

CLAUDIA SOMMER

„Wachträume“

Wir träumen viel und wenn wir aufwachen wissen wir oft zwar, dass wir geträumt haben, aber nicht mehr so genau was wir geträumt haben. Erinnerungen an Träume verblassen, lassen sich nicht festhalten, zurück bleiben Bilder, die niemals vollständig sondern immer nur schemenhaft sind. Versuchen wir sie zu greifen, scheinen sie zurückzuweichen und nur noch unschärfer zu werden.

„Den Traum zu visualisieren, ihn selbst so zu gestalten wie ich ihn mir wünsche, ihn auf Papier zu bannen und immer wieder in ihn eintauchen zu können ist das Ziel dieser Arbeit.“

In analogen Mehrfachbelichtungen verdecken und zeigen sich die Bilder gegenseitig, weichen zurückund drängen sich gleichzeitig ins Bewusstsein. Auf Barytpapier ausgearbeitet werden sie unvergänglich und lassen sich festhalten.

VERNISSAGE

17. November 2014, 19.00 Uhr

Galerie am Park
Liniengasse 2, 1060 Wien

Einführende Worte
Monika Obermeier | anika handelt

DAUER DER AUSSTELLUNG

18. – 30. November 2014
Öffnungszeiten Mo. – So. 13.00 – 19.00 Uhr

KATHARINA ACHT

1982 in Gmunden geboren, wuchs Katharina Acht auf dem Land auf. Geprägt von der Landschaft des Salzkammergutes ist die Natur zu einem Hauptthema in ihrer künstlerischen Arbeit geworden. Fotografisch sammelt Acht Linien, Formen und Farben, zerlegt sie und löst sie aus ihrer Umgebung heraus um sie dann neu zusammenzusetzen. Das Studium an der Linzer Kunstuniversität, 2001 bis 2006, verschlug die Fotografin in die Stadt. Auch hier beschäftigen sie vor allem grafische Elemente, die der urbane Raum bietet.

JUTTA FISCHEL

Geboren und aufgewachsen im Wien der 1960er Jahre hatte Fotografie von Beginn an große Faszination auf Jutta Fischel ausgeübt. Seit etwa 12 Jahren erforscht sie zunehmend intensiver ihre fotografischen Möglichkeiten. Studium an der Prager Fotoschule von 2008-2012. Diplom der Prager Fotoschule 2013. Teilnehmerin und Kuratorin zahlreicher Ausstellungen. Seit 2014 Lehrtätigkeit an der Prager Fotoschule.

NICOLA HACKL-HASLINGER 

Mit 5 Jahren erhielt Nicola Hackl-Haslinger eine Agfa-Kamera und startete ihre erste Fotografieversuche. Heute – neben der Tätigkeit als selbstständige Schmuckdesignerin im eigenen Atelier – gilt ihre ganze Liebe der künstlerischen Fotografie. Hier experimentiert Hackl-Haslinger mit verschiedensten Papieren – ihre Werke sind oftmals „vielschichtig“. Ein Großteil ist im symbolischen Bereich anzusiedeln, Geheimnisvolles und auf den ersten Blick nicht Offensichtliches sollen zum Denken und Philosophieren anregen. Häufig wird die Fotografin von Literatur zu ihren Arbeiten inspiriert.

CLAUDIA SOMMER

Aufgewachsen in Mattighofen im Innviertel, kam Claudia Sommer durch das Grafik- und Fotografie-Studium an der Kunstuniversität nach Linz. Hauptsächlich arbeitet die Fotografin analog und setzt dabei bewusst die Fehlerhaftigkeit alter Foto-Techniken ein. Bilder von scheinbar banalen Momenten verdichten sich durch Kombination und Bearbeitung in der Dunkelkammer zu verspielten Arrangements, die durch grafische Einflüsse gebrochen werden. Im Vordergrund steht der Versuch, Räume für die Emotionen des Betrachters zu schaffen. Wie der Mensch zu sich und seiner Außenwelt steht sind dieThemen, mit denen sich Sommer beschäftigt.

eyes on

Eyes On – Monat der Fotografie Wien findet 2014 bereits zum sechsten Mal statt und präsentiert sowohl in den Museen und Ausstellungshäusern der Stadt, als auch in Galerien, Off-Spaces und temporären Kunsträumen das breite Spektrum der künstlerischen Fotografie. Der Monat der Fotografie wurde 2004 auf Initiative der Kulturabteilung der Stadt Wien gegründet und bietet alle zwei Jahre, jeweils im November, eine Plattform, an der Institutionen, FotografInnen und KünstlerInnen aus dem Bereich der Fotografie teilnehmen können. Die Zahl der Ausstellungen stieg kontinuierlich von 80 (2004) erst auf über 100 (2006), dann auf 125 (2008) und knapp 200 (2010).2012 waren im Rahmen von Eyes On 225 Fotoausstellungen zu sehen, womit es zu einem der größten Fotofestivals Europas gehört.

Links
Link zu Eyes-On

Bildnachweis: Das verwendete Bildmaterial stammt von Jutta Fischel.

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Prager Fotoschule Österreich

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