ZWISCHEN DEN WELTEN
Ethnotourismus in Westneuguinea
JOSEF BLASCHKO
Diplom 2017/2018

In unserer Vorstellung gibt es kaum einen wilderen Flecken Erde als Westneuguinea. Menschenfresser, Steinzeitwerkzeuge und Grashütten beflügeln unsere Fantasie. Sie wecken die Sehnsucht nach dem unberührt Ursprünglichen und nach Teilhabe am echten Leben der Einheimischen. Einer Fiktion, die der Ethnotourist mit Hingabe nachjagt. Indem er es findet, zerstört er jedoch das, was er sucht. Mit seinem Eindringen in das Sozialsystem der Indigenen bringt er Strukturen ins wanken und weckt Begehrlichkeiten von materiellem Wohlstand und vermeintlicher Fortschrittlichkeit. Tradition verliert an Wert, Althergebrachtes wird aufgegeben. Authentizität muss in Folge inszeniert werden, um den Erwartungen der zahlungskräftigen Besucher zu entsprechen. Das unreflektierte Rollenspiel auf der Bühne der Tourismusindustrie führt bei allen Beteiligten zu Orientierungslosigkeit. Es bringt einen Verlust an Identität und Realitätsbezug. Aus dem stolzen Krieger und Lebenskünstler der Subsistenzwirtschaft wird ein Bittsteller und Lumpenträger. Der kulturinteressierte Reisende mutiert unbewusst zu einem Eroberer in Kolonialmanier. Gegensätze wie Urlaub und Alltag, Ablehnung und Begehren, Tradition und modernes Leben kollidieren auf unserer Reise zwischen den Welten.

Prager Fotoschule Österreich

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