Apr
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Am 3. Juni 2017 ist die Fotografin Christine de Grancy zu Gast an der Prager Fotoschule Österreich.

„Nirgends in Friede“
(Antigone-Sophokles) – Europa ein Bollwerk gebaut aus Ängsten?
Wer Europa retten will, muss Afrika retten (Asfa-Wossen Asserate).

Von 14.30 bis 18.00 Uhr wird sie über ihre Erfahrungen als Fotografin in der Westsahara sprechen.
In dem Gespräch, das sie mit der Vertreterin der Frente Polisario in Deutschland und Österreich,
Nadjat Hamdi führt, wird es nicht nur um ihre Fotografie, sondern auch um Politik, den Westsaharakonflikt,
das Flüchtlingsthema und Afrika gehen.

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Touaregfrau mit ihrer Tochter-Iferouane-Air-Bergland-Niger-2000

Frau Kolofan aus Iferouane, eine Oase im Air-Bergland, beim Flechten der Haare ihrer Tochter Tamumen. Der kommende Tag ist der Beginn des höchsten Festes der Muslime, Kurban Bayram. März 2000. Republik Niger

Breika Kounadi, eine Lehrein in den algerischen Flüchtlingslage

Kounadi Breika, eine saharouische Volksschullehrerin aus dem Flüchtlingslager El Aioun, November 1987. Republik Algerien


Christine de Grancy
wurde 1942 in Brünn (ehem. Tschechoslowakei) geboren und kam als Flüchtlingskind nach Graz.
Dort wurde sie zur Keramikerin und Grafikerin ausgebildet. Sie lebt seit 1963 in Wien und war über Jahre als Graphikerin
und Art-Direktorin in Werbeagenturen tätig. Zunehmend gaben Reisen nach Griechenland, Russland, Japan, Algerien,
West-Sahara, Portugal, China-Tibet, Pakistan, Türkei, Georgien, Niger und Mali Anstöße für ihre fotografischen Erzählungen.
Beachtliche Ausstellungen und Veröffentlichungen gibt es seither von ihr. Die erste, 1979 in der PPS. Galerie von F.C. Gundlach,
mit André Heller in Hamburg. 1993 wird sie im französischen Journal PHOTO „150 Jahre-Jubiläum der Photographie“ (Spezial Femme)
unter die 100 wichtigsten internationalen Fotografinnen gereiht. Ihre letzte Ausstellung 2015 „TRANSIT.
Die Iraner in Wien (1991-1993)“ im Jüdischen Museum Wien befasst sich wiederum mit dem Thema des flüchtenden Menschen in dieser Welt.

_D3S0757 Christine de Grancy_04 © Gabriela Brandenstein

Christine de Grancy. Wien, August 2014 © Gabriela Brandenstein

Angetan haben es ihr die Saharaouis, einst ein Nomadenvolk, das seit über 40 Jahren in einem bis heute ungelösten Konflikt
mit dem Königreich Marokko um seine Heimat, das Territorium der ehemaligen Spanisch-Westsahara, kämpft.
Auch das Bild und die Situation der Frauen in anderen westafrikanischen Ländern, wie die Tuareg-Frauen im Niger
oder die Frauen in Mali haben sie beschäftigt. In diesem Sinn konzentriert sich das Gespräch an der
Prager Fotoschule auf Afrika und stellt andere wichtige Themen de Grancy’s Schaffens hinter dieses brennende, uns alle beunruhigende Thema.

„…Terroristische Rache zunehmen an vielen, die mitgeholfen haben, sie in das Exil zu jagen und weiter mithelfen, diesen sinnlosen Krieg aufrecht zu erhalten, ist ihnen fremd. Unschuldige dürfen aus ihrer Sicht niemals zu Opfern werden, nur um auf ihre schwere und ungerechte Situation aufmerksam zu machen. Diese vielleicht letzte – verbrecherische – Geste der Freiheit jener ewig Betrogenen und Gedemütigten wäre für sie kein vorstellbarer Weg…“ (Auszug aus dem Vorwort zum Buch „Die Saharaouis – Söhne und Töchter der Wolken – Von der stillen Revolution der Polisario“. Wien, April 1987. Franz Greno Verlag, Deutschland).

Barbara Simons, SPD Mitglied des Europäischen Parlaments.
Auszug des Eröffnungsreferat zur Fotoausstellung „Die Sahraouis – Söhne und Töchter der Wolken“
(2. August 1990, ORF-Landesstudio Salzburg-Festspielzeit):
„…Die Bilder von Christine de Grancy vermitteln einen plastischen Eindruck davon, wie hart die heutige Lebenssituation der Sahraouis ist.
Wir sehen die öden Geröllflächen der algerischen Hamada, über die die Flüchtlingslager verstreut sind, wir sehen die zerstörten Orte
in der Westsahara, Panzerwraks und die Bombenhülsen der marokkanischen Armee, und wir sehen die Körper der gefallenen Soldaten,
die der scharfe Wind der Wüste immer wieder freilegt, gleichgültig wie tief man sie vergräbt. Christine de Grancy hat jedoch auch eingefangen,
was die Sahraouis aus dem Leben, als die „Söhne und Töchter der Wolken“, in die Gegenwart hinüberretten und weiter entwickeln konnten:
Die selbstverständliche Entschlossenheit, Härten und Entbehrungen klaglos zu ertragen und zu meistern; die unbedingte Solidarität
untereinander, das gleichberechtigte, partnerschaftliche Verhältnis zwischen Frauen und Männern, das sich von der Rollenverteilung
in traditionell sesshaften islamischen Gesellschaften radikal unterscheidet; vor allem das unbeugsame Streben nach Freiheit…
Die Fotografien haben mich deshalb so begeistert, weil sie nicht nur die äußeren Ergebnisse dieser Anstrengungen zeigen….
Sie zeigen vor allem Menschen, und es ist wohl die große Kunst der Personen- und Portraitfotografie,
über Mimik und Gestik der Menschen auch etwas von ihren Einstellungen, Überzeugungen und Hoffnungen erahnen zu lassen…“

Fischer Netz auswerfend-Niger nahe Mopti-Dezember 2008

Fischer von Mopti, im Binnendelta des Nigers. Dezember 2008. Republik Mali


Nadjat Hamdi
wurde in El Aioun, in der Westsahara, als Sahraoui – so nennen sich die Bewohner der Westsahara –
geboren und flüchtete 1976 mit den Eltern nach Algerien. Der Westsaharakonflikt, ein Konflikt zwischen Marokko
und der Frente Polisario um das heimatliche Territorium, trieb die Familie zu diesem Schritt.
Frau Hamdi studierte Psychologie in Bremen (Deutschland) und ist seit 2001 in Europa (Österreich, Deutschland, Griechenland, Slowenien und Slowakei)
als Repräsentantin der Polisario eine eindrucksvolle Stimme, die für die Unabhängigkeit und Befreiung der Westsahara kämpft.
Sie ist Mitglied der UMNS (Vereinigung der saharouischen Frauen) und hat in dieser
Funktion an vielen internationalen Kongressen in Europa, Afrika und Latein Amerika teilgenommen.

Nadjat Hamdi (1.v.l.), die Vertreterin der Frente Polisario in Berlin/D/A © Christine de Grancy

Nadjat Hamdi (1.v.l.), die Vertreterin der Frente Polisario in Deutschland und Österreich, mit der saharouischen Sängerin Mariem Hassan (1.v.r.) anlässlich der Finissage von Christine de Grancys Ausstellung „Tausend und eine Spur“ (Diwanregionale2008) in Schloß Hainfeld (Oststeiermark), dem einstigen Sitz des Orientalisten Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall.

 

 


Kurt Hörbst, der Schulleiter der Prager Fotoschule erklärt: „Mit dieser Vortragsreihe gehen wir als Fotoschule neue Wege.”
Das Angebot: „Jährlich geben – zusätzlich zum regulären Lehrbetrieb – zwei bis drei erfolgreiche international
tätige Fotograf/innen aus den unterschiedlichsten Bereichen unseren Schüler/innen und Absolvent/innen einen Einblick in ihre Arbeiten.“
Die Vorträge von national und international anerkannten Fotograf/innen sind fix im viersemestrigen Lehrplan der Prager Fotoschule Österreich verankert.
Gleichzeitig stellen sie eine Öffnung der Prager Fotoschule nach Außen dar.
Die Gastvorträge sind für alle Fotografie-Interessierten frei zugänglich.


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Daten zur Veranstaltung

Gastvortrag an der Prager Fotoschule Österreich
Christine de Grancy im Gespräch mit Nadjat Hamdi
Samstag, 3. Juni 2017, 14.30 – 18.00 Uhr
im Ahnensaal auf Schloss Weinberg in Kefermarkt
Moderation: Kurt Hörbst (Schulleiter Prager Fotoschule Österreich)
Die Veranstaltung ist kostenlos, um eine freiwillige Spende wird gebeten

Prager Fotoschule Österreich

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